Geschichte

Wie alles begann...

 

In den zwanziger Jahren, nach dem Ersten Weltkrieg, begann in vielen ländlichen Gemeinden der Sportbetrieb. In den meisten Fällen dominierte der Fußball, in manchen Dörfern gewann das Handballspiel die Oberhand.

In Ober-Klingen regte sich etwa Mitte der zwanziger Jahre die Fußballbegeisterung. Einer der ersten Pioniere war Adam Krämer. Er brachte regelmäßig den "Kicker", die führende Fußballzeitung, mit. Die Köpfe dicht gedrängt, saßen damals die Sieben- bis Zehnjährigen auf Krämers Treppe und studierten die spannenden Momentaufnahmen; Szenen mit Heiner Stuhlfauth, dem legendären Tormann des Altmeisters-Club, Kalb, Bumbas Schmidt, um nur einige der damaligen Fußballgrößen zu nennen.

 

1929 war es dann soweit. In Ober-Klingen wurde ein freier Sportverein gegründet. Er nannte sich SC Rotweiß und gehörte dem Freien Sportbund an. Freie Fußballclubs gab es außer in Ueberau und Raibach noch in einer Reihe von Odenwalddörfern. Der 1. Vorsitzende war Jakob Schüler, mit im Vorstand waren Adam Lutz und August Weber.

Der erste Sportplatz wurde von der Gemeinde am damaligen Ortsausgang, unmittelbar hinter der Dreschhalle bereitgestellt, wo heute die Häuser Nummer 17 bis 25 in der Bachstraße stehen. Der Platz war abschüssig, ein sehr nasses Wiesengelände, auf dem einige Quellen zutage traten. Demzufolge war der Platz im Winter und Frühjahr meist ein Morast. Es gab wahre Schlammschlachten. Anfang der dreißiger Jahre wurden dann in Selbsthilfe Drainagen verlegt und eine Besserung erzielt. Ein ziemlicher "Acker" blieb es aber weiterhin.

 

Der SC Rotweiß bestand nur bis 1933, denn nach der Machtübernahme 1933 wurden alle Freien Sportvereine aufgelöst, weil sie links und dem Gewerkschaftsbund nahe standen.

Nach kurzer Unterbrechung formierte sich dann auf Initiative des Lehrers August Betz ein neuer Verein innerhalb des Deutschen Sportbundes. Die Vereinsfarben blieben rot-weiß - diesmal aber ein weißer Brustring anstelle der früheren Längsstreifen.

 

Es gab eine 1. und 2. Mannschaft und bald auch eine Jugendmannschaft, die sich recht erfolgreich betätigten. Von 1935 an, mit der Einführung der Wehrpflicht, gab es Probleme. Immer mehr Spieler mussten zum Wehrdienst einrücken. Zeitweise spielten vier bis fünf Jugendliche in der ersten Mannschaft. Ende 1937 reichte es dann nicht mehr. Von den Stammspielern in der 1. Mannschaft waren sieben beim Militär und schweren Herzens musste der Spielbetrieb eingestellt werden. Einzelne Spieler betätigten sich noch einige Zeit bei auswärtigen Vereinen; dann kam der Zweite Weltkrieg.

Schon bald nach dem Ende des fürchterlichen Krieges, aus dem auch so viele junge Fußballer nicht zurück kehrten, erwachte das Fußballinteresse erneut. Die Heimgekehrten begannen wieder von vorn, diesmal Nieder- und Ober-Klingen gemeinsam. Unter dem Vorsitz von Georg Koch aus Nieder-Klingen wurde der TSV Nieder-/Ober-Klingen gegründet. Zweiter Vorsitzender war Hermann Keil aus Ober-Klingen. Die Spielausschusssitzungen wurden im Wechsel in beiden Orten abgehalten.

 

Die damalige Mannschaft war recht erfolgreich. Sie hat u. a. auch den SV Darmstadt 98 geschlagen. Viele haben sie heute noch in guter Erinnerung. Die gute Zusammenarbeit währte leider nicht allzu lange. Durch den Weggang einiger Spieler geschwächt, zum Teil auch durch Meinungsverschiedenheiten innerhalb der beiden Ortsteile und wohl auch durch einiges Kirchturmdenken, kam die Gemeinsamkeit 1951 zum Erliegen. Unterlagen aus dieser Zeit konnten nicht mehr aufgefunden werden.

 

In Nieder-Klingen wurde dann vorübergehend wieder Handball gespielt und in Ober-Klingen kam es 1953 zur Gründung eines neuen Vereins, des TUS Ober-Klingen. 1. Vorsitzender war Hans Rohwedder, Stellvertreter Hermann Laudien. Ober-Klingen hatte zu dieser Zeit keinen Sportplatz, denn 1951 war der alte Sportplatz wegen fehlenden Baugeländes und großer Wohnungsnot bebaut worden. Es wurde anfangs in Nieder-Klingen gespielt, bis durch Eigensinnigkeiten auch hier die Gemeinsamkeit scheiterte. Notgedrungen wurde ein Behelfsplatz auf privatem Wiesengelände "Auf den Gänsäckern" hergerichtet.

Der TuS Ober-Klingen hatte auch nicht lange Bestand. Nach zwei Jahren zog die Familie Rohwedder weg von Ober-Klingen; Heinrich Riedel übernahm für einige Zeit den Vorsitz. Aber durch die unbefriedigende Sportplatzsituation kam der Spielbetrieb nochmals zum Erliegen.

 

Die Notlage konnte erst beendet werden, nachdem die Gemeinde Ober-Klingen 1953 die zentrale Wasserversorgung geschaffen hatte und gezwungen war, oberhalb des Brunnens am Wersauer Weg zwei Äcker anzukaufen. Sie wurden zu einem neuen Sportplatz hergerichtet. Bagger vom Tyre-Depot  Ober-Ramstadt übernahmen zu günstigen Bedingungen die Erdbewegungen.

 

Neugründung des TSV

 

Mit der Schaffung des neuen Sportplatzes waren die Voraussetzungen für einen geordneten Spielbetrieb gegeben und es kam 1959 zur Gründung des jetzigen TSV. Vorsitzender war in den ersten Jahren Lehrer Herbert Schloßbauer. Bedauerlicherweise sind aus der Gründungszeit und den sechziger Jahren sowie den frühen siebziger Jahren keine Vereinsunterlagen mehr vorhanden. Sie gingen durch häufige Wechsel im Vorstand und durch Unachtsamkeit verloren. Dass einzelne wenige Dinge bei Altpapiersammlungen "gerettet" wurden, verdanken wir dem wachsamen Auge unseres Chronisten Horst Rauch.

 

Das neue Sportfeld lag in den ersten Jahren als Lehmplatz da. Von den damaligen Schülern erinnern sich einige, wie sie unter Leitung von Herrn Schloßbauer 1959 die Steine vom Platz auflasen. Bei Regenwetter, besonders im Winter und Frühjahr, war der rote Lehm wieder ein Morast. 1961 wurde das Sportfeld erweitert und als Rasenplatz neu angelegt. Anfang 1960 wurde als erster Trainer Helmut Heß aus Lengfeld verpflichtet. Das Training wurde intensiviert. Nach verschiedenen auswärtigen Trainern wurde der TSV unter Adam Keller im Jahre 1970 Meister der C-Klasse und schaffte den Aufstieg in die B-Klasse. Nach zwei Jahren wurde die Mannschaft aber durch den Weggang einiger Spieler geschwächt und musste 1972 wieder zurück in die C-Klasse. Als Ergebnis guter Jugend-Aufbauarbeit wurde in der Runde 1977/78 unter Trainer Jasp erneut der Aufstieg in die B-Klasse geschafft. Die Reserve-Mannschaft wurde im Jahre 1978 ebenfalls Meister. Außerdem wurde die 1. Mannschaft auf Grund überzeugender Leistungen Kreis-Pokalsieger. Sie verzichtete im Endspiel auf ihr Heimrecht und schlug in Groß-Bieberau die dortige Mannschaft mit 3:1.

 

Erfolgreiche Jugendarbeit

 

Unter der Leitung von Heinz Unvericht begann 1970 eine intensive Jugendarbeit. Schon 1971 wurde die E-Jugendmannschaft Kreismeister. Die C-Jugend nahm von 1974 bis 1977 an den Darmstädter Messe-Pokalturnieren teil und erreichte 1974 den 4. Platz, 1975 den 3. Platz, 1976 den 5. Platz, 1977 den 6. Platz. Die B-Jugend spielte 1976 gegen die australische B-Jugend-Nationalmannschaft und erreichte als einzige Mannschaft auf der Europatournee der Australier ein Unentschieden.

 

An Ostern 1977 fand in Ober-Klingen ein internationales B-Jugendturnier statt. Es nahmen teil:

SV 98 Darmstadt, Hassia Dieburg, SG Arheilgen SG Nieder-Kainsbach, JET Toulouse (Frankreich) San G. Barcelona (Spanien) und TSV Ober-Klingen Bezirksauswahl Sieger wurde die Mannschaft aus Barcelona, Zweiter JET Toulouse. Die Spieler aus Spanien und Frankreich weilten vier Tage in Ober-Klingen. Im Rahmenprogramm spielte eine Auswahlmannschaft (darunter sieben Spieler aus Ober-Klingen) gegen die B-1-Jugend von Schalke 04. Sie erreichte ein achtbares Ergebnis von 1:4. In einem Einlagespiel trat eine Otzberg-Auswahl der "Alten Herren" an gegen eine HR-Fußball-Prominentenauswahl, darunter Lothar Schämer, Siegfried Gast, Heinz Baas und Eberhard Ginger (Turnweltmeister). Ergebnis: 2:1 für die Prominenz. Im Jahre 1979 wurde die E-Jugend Kreis-Pokalsieger und Sieger des Turniers des TSV Lengfeld.

 

Während der Bundesliga-Zugehörigkeit des SV 98 Darmstadt war die B-Jugendmannschaft wiederholt zu Vorspielen hinzugezogen worden. Seit 1982 wurde, weil die Jugendspieler weniger wurden, in einer Spielgemeinschaft mit dem FC Ueberau gespielt. Seit einigen Jahren spielen unsere Jugendlichen erfolgreich in der JSG Otzberg.

 

Vereinsheim

 

Unter dem Vorsitz von Jakob Keil wurde im Jahre 1972 ein kleines Sportheim errichtet, um wenigstens ein Aufenthaltsraum zu haben. Damit war der Anfang gemacht. Doch immer stärker machte sich das Fehlen von Toiletten, Umkleideräumen und Duschen bemerkbar. So wurde zu Beginn der achtziger Jahre ernsthaft erwogen, das Sportheim zu erweitern. Die Planung nahm Gestalt an und schließlich wurde im Herbst 1983 mit den Maurerarbeiten begonnen. Heute haben wir ein nettes Sportheim mit gepflegten Kabinen, einer kleinen Sauna und einem ansprechenden Wirtschaftsraum.

 

Weitere Sparten des TSV

 

Auf Grund regen Interesses hatte sich innerhalb des TSV im Jahre 1968 eine Tischtennis-Abteilung gegründet, ferner im Jahre 1971 eine Gymnastik-Abteilung. Die Tischtennis-Abteilung wurde lange Jahre von Richard Trabolt geleitet und später von Georg Weber. Der Gymnastik-Abteilung (gegründet von Horst Rauch) stand lange Irmgard Trabolt vor, später Annette Mühlsiegel. Im Jahr der Wirren 1983 trennten sich die beiden Abteilungen vom TSV und gründeten jeweils einen eigenen Club. Somit blieb nur die Sparte Fußball übrig. Ein stetes Auf und Ab, von der Bezirksliga bis zur C-Liga, folgte im Laufe der folgenden Jahre.

 

Spielgemeinschaft mit dem TV Nieder-Klingen

 

Aufgrund der immer schlechter gewordenen Personalsituation in den jüngeren Jahren ist der TSV im Jahre 2017 eine Spielgemeinschaft mit dem Nachbaverein TV Nieder-Klingen eingegangen. Die Spiele der 2. SG-Mannschaft werden nun in Ober-Klingen ausgetragen.

 

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